denkbar

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Udo Schumacher  //  

Oct 27 / 2:12am

#Niiu - Netter Versuch, aber ...

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http://www.time.com/time/business/article/0,8599,1931356,00.html oder http://www.niiu.de


Das Projekt finde ich ja sehr spannend, aber an das Businessmodell kann ich trotzdem nicht ganz glauben.

Knackpunkte:
- 1,20 € bis 1,80 sind zu viel für ein Produkt, dass inhaltlich nicht mehr bietet als ein ein RSS-Reader.
- Leser in Kombinationen mit automatisierten Prozessen taugen nicht als "Blattmacher", wie man schon an den Test der Schweizer Post gesehen hat, kommt dann meist ein Produkt heraus, das nicht gerade zum lesen einlädt.
- Die Drucktechnik ist noch nicht ausgereift und kann nicht mit der Qualität konventioneller Zeitungen konkurrieren. Man kommt zwar immer näher ran, aber für eine tägliche Produktion reichen Auflösung und Geschwindigkeit noch nicht aus.
- Digitaldruck ist nicht wirklich gut skalierbar. Entweder bleibt die Auflage niedrig, dann lohnt sich der ganze Spaß nicht, oder das Produkt wird ein Erfolg, dann bekommt Niiu ein Problem die benötigte Menge in kurzer Zeit zu produzieren. Die Bandbreite für eine rentable Auflage ist also sehr eng

Fazit: Individualisierte, digitalgedruckte Zeitungen sind eine schöne Idee, werden aber von der Entwicklung eingeholt und mittelfristig werden digitale Endgeräte den Markt besetzen.

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3 comments

Oct 27, 2009
niiu said...
Sehr geehrter Herr Schumacher,

vielen Dank, dass Sie Ihre Aufmerksamkeit unserem Projekt niiu widmen. Dass Ihnen die Idee grundsätzlich gefällt, freut uns sehr. Natürlich nehmen wir Ihre Kritik gerne an.

Als Verwaltungs-Betriebswirt, noch dazu in der Online-Entwicklungssparte einer großen deutschen Verlagsgruppen tätig, können Sie die Erfolgsaussichten eines Geschäftsmodells gut beurteilen. Gerade, wenn im Fall von niiu, ein gedrucktes Produkt im Fokus steht.

Dennoch müssen wir an einigen Stellen entschieden widersprechen. Denn bei aller Objektivität, kennen Sie die genauen Eckwerte nicht.

Der Digitaldruck ist lange eines unser größten Probleme gewesen. Wie Sie selbst schildern - Preis, Qualität und Skalierbarkeit. Jeder Faktor für sich ein Nadelöhr. Inzwischen sind wir aber mit unserem Drucktechnologiepartner Océ in der Lage ein qualitativ einwandfreies Printprodukt herzustellen.

Ob der Leser als "Blattmacher" taugt darf er gerne selbst unter Beweis stellen. Berlin ist nicht die Schweiz und niiu nicht die Schweizer Post. Das positive Feedback aus der Zielgruppe stimmt uns jedenfalls bei aller Kritik aus Fachkreisen optimistisch sie selbst entscheiden zu lassen.

Was Sie im Hinblick auf den Preis von 1,80 € ermäßigt 1,20 € übersehen, ist dass dafür nicht nur RSS-Feeds, sondern eine Vielfalt von Verlagsinhalten beliebig kombiniert werden können. Wir starten mit 17 Titeln. Bei ca. 154 Zeitungstiteln allein in Deutschland sehen wir hier ein großes Potenzial. Mit unserem Preis liegen wir bei einem sehr guten Durchschnitt der Verkaufspreise etablierter Titel.

Die Kombination von Online- und Verlagsinhalten in einem komfortablen Lesemedium erzeugt den Mehrwert für den Leser.

Wir wollen uns ungern einer Ideologisierung á la: "nur Online" oder "nur Print" taugt etwas, hergeben. Fakt ist, Tageszeitungen liefern eine Fülle qualitativ hochwertiger Inhalte und diverse Onlinemedien füllen Lücken, auf die sich Tageszeitungen einfach nicht spezialisieren können.

Das verbinden wir jetzt in einer niiu. Glauben Sie uns, es ist machbar.

Mit freundlichen Grüßen,
Das niiu-Team

Oct 28, 2009
Udo Schumacher said...
Liebes niiu-Team, vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Ich will Ihnen ganz bestimmt nicht die Machbarkeit des Projekts absprechen, sondern wollte nur meinen subjektiven Ersteindruck schildern. Ich freue mich aber über Ihr Feedback und gehe gerne näher auf die angesprochenen Punkte ein.

Digitaldruck:
Mit Océ haben Sie einen sehr zuverlässigen Partner gefunden (hier kann ich aus Erfahrung sprechen, denn mit dem Océ-Team in Berlin durfte ich über lange Jahre an der Weiterentwicklung der Handelsblatt News am Abend arbeiten), aber muss trotzdem sagen, dass diese Druckmaschinen nicht in erster Linie für die Zeitungsproduktion, sondern für andere Anwendungen entwickelt wurden. Die aktuelle Maschienengeneration sorgt aus meiner Sicht erstmals für eine ausreichende Qualität, aber es wird spanndend, wie Sie Abhängigkeit von verfügbaren Maschinen und die vergleichsweisen hohen Produktionskosten handhaben werden.

Blattmacher:
Hier sehe ich das Problem hauptsächlich darin, dass der Leser immer nur VORAB seine Interessen angeben muss, ohne die jeweilige Nachrichtenlage zu kennen. Auch wenn ich mich grundsätzlich für z.B. für Technik oder Medienthemen interessiere, will ich natürlich die "großen, überraschenden" Nachrichten aus anderen Rubriken auch mitbekommen. Und auch hier, die Idee der eigenen Zusammenstellung ist meist viel charmanter, als das spätere Ergebnis. Die Kombination der besten Teile aus FAZ, SZ, Spiegel Online und vielleicht einer Lokalzeitung wird nicht unbedingt zu einem großen Leseerlebnis führen. Die Mischung kann systembedingt nicht "rund" sein und wird in vielen Fällen zwangslaufig lieblos wirken. Alleine die Formatunterschiede der Zeitungsinhalte werden es schwer machen ein optisch anprechendes Lesemedium zu erzeugen.

RSS-Feeds
Ich denke der Vergleich mit RSS-Feeds ist zulässig, denn viele der hochwertigen Verlagsinhalte werden parallel zur Veröffentlichung in Print, auch online zur Verfügung gestellt und sind damit per RSS-Reader beliebig kombinierbar. Dies ist für den User kostenlos und unabhängig von verfügbaren Partnerinhalten wie bei Ihrem Produkt.

Ich bin gespannt wie sich niiu entwickeln wird. Ich gratuliere Ihnen auf jeden Fall schonmal zu dem großen Interesse auf das Ihr Produkt in nationalen und internationalen Medien gestoßen ist und wünsche ihnen einen gelungenen Launch.
Viele Grüße
Udo Schumacher

Oct 29, 2009
André Hellmann said...
Ich bin da leider bei Herrn Schumacher; meiner Meinung nach und all dem was ich so aus den Verlagen höre und von Konsumenten mitbekomme ist Personalisierung in Print eine schwierige Sache was Kosten und Preisakzeptanz angeht. Die Jungs von Syntops machen da jetzt schon seit bestimmt fünf Jahren dran herum, eher länger. Mit toller Presse aber ohne kommerziellen Erfolg.

Ich bin gerade auf USA-Akquisetour und ich wurde sogar auf niiu angesprochen (kam wohl über den INMA-Newsletter und die Konferenz in Chicago Montag/Dienstag ins Gespräch). Der ersten Auffassung nach überwiegt Skepsis die Euphorie; hier ist man gerade echt mit den Themen mobile und paywall beschäftigt und will dort mehr Service anbieten.

Ich bin wahrlich gespannt wie lange man das ohne Kapital machen kann. Und wie lange dann mit. Die Syntops hält sich ja auch mit Gründerpreisen und Preisgeldern über Wasser :-)

andré hellmann

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